Rede von Roman Niederberger

Bild: 30 Jahre: Geschenkübergabe
Festakt "30 Jahre SPD Piding"
im Alten Pfarrhof am Freitag, 17. Oktober 2003

Bevor ich an unseren Festredner Dr. Hans-Jochen Vogel übergebe, erlauben Sie mir bitte, Sie auf eine Reise in die Geschichte der SPD Piding mitzunehmen. Während ein SPD-Ortsverein mit 30 Jahren im Vergleich zu 140 Jahren Parteigeschichte gerade erst den Windeln entwachsen scheint, beginnt die Geschichte der Sozialdemokratie in Piding schon deutlich früher und zwar wie bei den meisten sinnvollen Unternehmungen und bei allen Geburten mit einer Frau: Berta Edelmann.

Berta Edelmann, die Gründerin der Pidinger Arbeiterwohlfahrt, ist bereits 1919 in die SPD eingetreten. Sie wurde 1952 als erste und damals einzige Frau in den Pidinger Gemeinderat gewählt und gehörte ihm bis 1967 an; erst für die Liste des BHE, des Bundes des Heimatvertriebenen und Entrechteten, später für die SPD. Ihr moralischer Anspruch und ihr vorbildliches soziales und politisches Engagement prägten die Sozialdemokratie in Piding nach dem Krieg.

Lange Zeit bildete die Pidinger SPD eine Sektion des Ortsvereins Bad Reichenhall und beschäftigte sich als solche hauptsächlich mit Kommunalpolitik. Erst am 6. Januar 1973 wurde ein eigenständiger Ortsverein gegründet und Ulrich Stiegler zu seinem ersten Vorsitzenden gewählt; sein Stellvertreter war Wilhelm Müller. Damals hatte Piding erst 3.450 Einwohner. Dem 16-köpfigen Gemeinderat gehörten 1973 drei Sozialdemokraten an: Christa Kickner, Ulrich Stiegler und Dr. Wolfgang Lindner.

Kommunalpolitisch konnte die SPD in dieser Zeit beachtliche Erfolge verbuchen: Die Unterführung am Schlossweg, drei neue Spielplätze und ein Verkehrsübungsplatz kamen aufgrund von SPD-Anträgen zustande. In Eigenarbeit des Ortsvereins wurde ein Trimmweg in der Pidinger Au geschaffen und der Gemeinde übergeben.

Auch in den folgenden Jahren konnte die SPD als kleine Fraktion in Piding einiges bewegen. Ulrich Stiegler, Dr. Wolfgang Lindner, Joachim Kaubisch und Günter Schaefer haben sich als SPD-Gemeinderäte und Max Kickner als Kreisrat für unseren Ort eingesetzt. Seit der letzten Kommunalwahl führen Christa Kickner und ich diese Arbeit fort und halten als "Altersklammer" den nunmehr 20-köpfigen Gemeinderat zusammen.

Die große Politik wurde in Piding nicht vernachlässigt: Kurz vor Gründung des Ortsvereins konnte die damalige SPD-Sektion 1972 die Bundesgesundheitsministerin Käthe Strobl willkommen heißen, 1974 besuchte Bundesfinanzminister Hans Apel den Ortsverein und 1978 war der damalige SPD-Landesvorsitzende Volkmar Gabert in Piding.

Am 28. März 1985 übernahm Christa Kickner den Vorsitz des Ortsvereins; als stellvertretender Vorsitzender wurde Dr. Wolfgang Lindner gewählt. 1986 lud die SPD Piding zu Ihrer bisher am besten besuchten Veranstaltung ein - leider aus einem schlimmen Anlass. Die beiden Landtagsabgeordneten Peter Kurz und Gustav Starzmann diskutierten im brechend voll besetzten Gasthof Brettl mit verunsicherten Bürgern über "Tschernobyl und die Folgen". Die politischen Konsequenzen aus diesem Ereignis beschäftigen uns noch heute.

Erfreulich war der große Erfolg der vom Ortsverein organisierten Reihe "Kultur im Alten Pfarrhof", die 1987 mit einem Konzert der Fraunhofer Saitenmusik begann. Dieses ehrwürdige Gemäuer erlebte in den nächsten Jahren unter anderem die unnachahmliche Kabarettistin Maria Peschek, ein Klavierkonzert mit Johannes Kotschy, eine Tolstoi-Aufführung und eine Lesung des Schauspielers Jörg Hube aus den Werken von Oskar Maria Graf.

1990 spaltete sich der Ortsverein, der ja selbst als Abspaltung von der SPD Bad Reichenhall gegründet wurde, erneut: nicht im Streit, sondern durch die Gründung der SPD Anger. Im selben Jahr stellte die SPD mit Otto Reichwald in Anger erstmals einen Gemeinderat. Bei der Kommunalwahl 2002 wurde Günter Wolf für die SPD in den Gemeinderat gewählt.

Die Verkehrspolitik wurde über die Jahre in Piding heiß diskutiert, was sich bis heute nicht geändert hat. Insbesondere die SPD-Idee eines Fuderheubergtunnels wirbelte viel Staub auf. Das erste Bürgerbegehren in Piding, dass sich ebenfalls mit der Verkehrsproblematik beschäftigte und bei der Abstimmung knapp scheiterte, wurde von der SPD mit auf den Weg gebracht und unterstützt.

Es wurden Anträge zu Bundesparteitagen gestellt, ein Besuch in unserer Partnerstadt Edremit organisiert, viele Wahlkämpfe geführt - immer war die SPD in Piding mit ihrem Vorstand und ihren aktiven Mitgliedern mitten im politischen und gesellschaftlichen Leben. Am 8. November 1996 gab dann Christa Kickner den Stab als Vorsitzende an mich als Vorsitzenden und Dieter Schaefer und später Heli Hirsch als Stellvertreter weiter.

Seitdem hat sich unser Ortsverein weiter eingemischt und engagiert: sei es vor Ort in der Kommunalpolitik oder auf Landes- und Bundesebene; mit kulturellen und politischen Veranstaltungen, Gesprächen und Besuchen. Wir konnten die Staatssekretärin Ulrike Mascher in Piding begrüßen und haben mit einer eigenen Homepage den Sprung ins Internet-Zeitalter geschafft. In diesem Jahr stellte die SPD Piding sogar den Landtagskandidaten.

Nach einer verlorenen Wahl in Bayern und angesichts schwieriger Entscheidungen, die in fast allen gesellschaftlichen Bereichen anstehen und von denen einige heute im Bundestag gefallen sind, ist es im Jahre 2003 wieder einmal nicht einfach oder bequem, Sozialdemokrat zu sein.

Doch zu welcher Zeit wäre es das schon gewesen? Wir sind zu recht stolz auf unsere Tradition als älteste demokratische Partei in Bayern, die niemals ihren Namen wechseln musste. Es ist richtig, an diese Tradition zu erinnern und daraus Kraft für die kommenden Aufgaben zu schöpfen. Namen wie Alfred Roßhaupter, der sich als SPD-Fraktionsvorsitzender 1933 im Bayerischen Landtag den Nazis ebenso widersetzt hat wie es Otto Wels und eben Josef Felder im Reichstag getan haben, sind uns Verpflichtung und Vorbild.

Piding ist unsere Heimat. Deswegen stellen wir hier mit aller Selbstverständlichkeit den gleichen Anspruch, wie ihn Sozialdemokraten in ganz Europa, ja der ganzen Welt stellen: Politik auf den Grundwerten von Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität zum Wohle der Menschen zu gestalten. Dazu gehört Verantwortung und Kontinuität. Deshalb ist die heutige Veranstaltung nicht nur ein Blick zurück, sondern auch ein Versprechen für die Zukunft, dass für unsere Freunde und unsere Gegner gilt: Wir bleiben aktiv. Wir setzen uns weiter als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten für Piding und in Piding ein.

Ich darf jetzt unseren Festredner Dr. Hans-Jochen Vogel um seinen Beitrag bitten.

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