04.12.2011

Internet, Mobiltelefon und Laptop sorgen für Stress: Diskussion der SPD Piding über psychische Belastungen in der Arbeitswelt

Bild: Diskussion Psychische Belastung
Jeder zehnte Krankheitstag in Deutschland ist nach Schätzung von Experten durch psychisch bedingte Erkrankungen verursacht. Obwohl das Modewort vom „Burn-Out“ momentan in aller Munde ist, fehlt es aber oft an Informationen über Ursachen und Gegenstrategien. Am vergangenen Dienstag hat die SPD Piding zu einer öffentlichen Diskussion mit dem Titel „Wenn es zuviel wird… - psychische Belastungen in der Arbeitswelt“ in die Begegnungsstätte der Arbeiterwohlfahrt im Pidinger Haus der Vereine eingeladen. Dabei wurde deutlich, dass jeder Einzelfall unterschiedlich ist und es keine pauschalen Lösungen gibt. Aber trotzdem können Betriebe, Kollegen und Politik einiges tun, um Stress abzubauen und belastende Situationen zu entschärfen.

Als Referent konnte der SPD-Ortsvorsitzende Roman Niederberger den Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA) aus dem Kreis Traunstein Helmut Haigermoser begrüßen. Der frühere Kreisvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes und langjährige Betriebsrat bei der Deutschen Post beschäftigt sich seit einigen Jahren intensiv mit Themen wie Mobbing und psychischer Belastung in der Arbeitswelt.

„Die Sensibilität der Gesellschaft gegenüber psychischen Erkrankungen hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert“, stellte er zunächst fest. Ein wichtiger Schritt nach vorn sei die Einführung einer internationalen Norm, die zwischenzeitlich psychische Belastungen am Arbeitsplatz klar definiere: die DIN Norm EN ISO 10075. Trotzdem fehle es immer noch in vielen Betrieben an der Bereitschaft, offen mit dem Thema umzugehen und die Ursachen konkret anzupacken. Oft sei schon die Möglichkeit, über die eigenen Probleme zu reden und damit ernst genommen zu werden, ein wichtiger Schritt zur Entspannung einer schwierigen Situation.

„Die Rahmenbedingungen werden aber immer problematischer“, stellte Helmut Haigermoser fest. Gerade in modernen Betrieben verschwimme die Grenze zwischen Privatleben und Arbeit. „Der dauernde Druck durch Internet, Laptop und Mobiltelefon führt unweigerlich zu Stress und dem Gefühl, überhaupt nicht mehr abschalten zu können“, so der Gewerkschafter. An die Stelle von festen Arbeitszeiten und konkreten Vorschriften seien oft Vertrauensarbeitszeiten und mehr Eigenverantwortung getreten: „Die höhere Freiheit wird aber durch eine viel stärkere Belastung erkauft.

Gerade bei älteren Beschäftigten spielt auch das Tempo der Veränderung eine wichtige Rolle bei „Burn-Out“ und anderen Erkrankungen. „Das lebenslange Lernen, dass uns allen immer mehr abverlangt wird, überfordert Menschen auch“, stellte der Referent fest. Und durch die unsicheren Zukunftsperspektiven wächst auch bei den Jüngeren die Angst vor dem Morgen, was ebenfalls die psychische Belastung erhöht: „Vor 40 Jahren war für viele klar: in meinem gelernten Beruf und oft auch in der gleichen Firma kann ich mein Arbeitsleben lang tätig sein. Jetzt wissen viele nicht, ob es ihren Arbeitsplatz in sechs Monaten überhaupt noch gibt“.

Auf der Ebene des Einzelfalls gilt es, flexible Lösungen und vor allem eine Vertrauensperson als Ansprechpartner zu finden, zeigte sich Helmut Haigermoser sicher. Auf politischer Ebene sei es wichtig, wieder Ordnung auf dem Arbeitsmarkt zu schaffen: „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit und damit die Eindämmung des Missbrauchs von Zeit- und Leiharbeit ist ein sehr wichtiger Schritt“. Eine gute Bildung und Ausbildung sowie ein ordentlicher Kündigungsschutz helfen ebenfalls dabei, die eigene Sicherheit zu erhöhen und damit auch die psychische Belastung zu reduzieren. Auch bei der geringfügigen Beschäftigung gelte es, diese wieder verstärkt in ordentliche und voll sozialversicherungspflichtige Arbeit umzuwandeln.

In der Diskussion über den Vortrag wurden die vielfältigen Ursachen der Veränderungen in der Arbeitswelt und des zusätzlichen Drucks auf Arbeitnehmer deutlich. Einig waren sich die Teilnehmer darin, dass es weiterhin großen Diskussionsbedarf über das Thema gibt. Spontan erklärte sich Helmut Haigermoser dazu bereit, am Dienstag, 13. Dezember 2011 eine Sprechstunde in dem Bürgerbüro des SPD-Kreisverbandes in Freilassing zu den Themen psychische Belastung und Mobbing anzubieten. Als weiterer Service finden Sie auf der rechten Seite unter "Weitere Infos" einen Link mit näheren Informationen über die DIN Norm EN ISO 10075.

Foto: Der Referent im Gespräch mit dem Vorstand der SPD Piding
(von links nach rechts): Helmut Grünäugl (SPD-Gemeinderat in Piding), Helmut Haigermoser (Vorsitzender Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen Traunstein), Roman Niederberger (SPD-Ortsvorsitzender Piding).




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